Hohe Verkäufergebühren: Die Kreditkarte als Vorteil bei Preisverhandlungen

Wer größere Anschaffungen tätigt und mit dem Verkäufer über den Preis verhandeln will, kann seine Kreditkarte dabei als Argument einsetzen. Der Grund: Zahlt der Kunde mit Visa und Co., muss der Händler einen Teil des Umsatzes an die Kartengesellschaft abtreten. Wer auch in bar zahlen kann, sollte versuchen, diesen Spielraum zu nutzen und den Preis zu drücken.

Kreditkartengesellschaften verdienen ihr Geld damit, dass mit ihren Karten bezahlt wird. Sie erhalten von ihren Akzeptanzpartnern eine Vergütung, die sich an der Höhe des getätigten Umsatzes orientiert. Wie hoch diese Gebühr im Einzelnen ausfällt, ist für Verbraucher kaum ersichtlich. Mastercard etwa kennt dutzende unterschiedliche Gebührensätze, die sich nach der Art der beim Kauf verwendeten Karte und verschiedenen Tarifmodellen richten. Ein Blick auf die Konditionen für Merchants verrät aber, dass durchaus 1-2 Prozent drin sind. Visa gibt Besuchern seiner Homepage keine genaueren Informationen über die Höhe der Umsatzbeteiligung preis. American Express lässt verlauten, dass die Höhe der Gebühren für Verkäufer abhängig von Umsatzvolumen und Branche ist und dass eine separate Vereinbarung getroffen wird.

Den Händler offen ansprechen

Der Händler hat verschiedene Vorteile, wenn der Kunde in bar zahlt und nicht seine Kreditkarte nutzt. Zum einen erhält der Verkäufer sein Geld sofort, während er auf die Überweisung der Kartengesellschaft möglicherweise einige Wochen warten muss. Zum anderen muss er – wie bereits beschrieben – eine umsatzabhängige Gebühr entrichten. Verbraucher sollten Händler deshalb offen auf einen möglichen Rabatt ansprechen, wenn in bar und nicht mit der Karte bezahlt wird. Eine pauschale Größenordnung für den möglichen Verhandlungsspielraum kann zwar nicht gegeben werden. Etwa fünf Prozent des Nettopreises erscheinen bei Unterhaltungselektronik als angemessenes Eröffnungsangebot, bei Kleidung und Schuhen sollten es nicht weniger als zehn Prozent sein. Seit einigen Jahren ist es in Deutschland ohnehin möglich, mit dem Verkäufer über den Preis zu verhandeln. Das Kreditkarten-Argument kann hier allen einen leichten Einstieg bieten, die sich im Feilschen wenig geübt fühlen.

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Lehnt der Händler jeglichen Nachlass auf den offiziellen Preis ab, auch wenn in bar gezahlt wird, sollte das Angebot zurückgewiesen werden. Auch wenn sich wegen der Verschwiegenheit der Kartengesellschaften nicht eindeutig ermitteln lässt, wie hoch die Belastung für den Verkäufer ausfällt –weniger als zwei bis drei Prozent werden es unter Berücksichtigung von längerer Zahlungsfrist und Gebühren kaum sein.

Bonusprogramme berücksichtigen

Wird über den Preis verhandelt, sollte in jedem Fall berücksichtigt werden, dass beim Kauf über die Kreditkarte möglicherweise zusätzliche Vorteile realisiert werden, die gegen den Rabatt abgewogen werden müssen. Bonuspunkte eines nützlichen Bonusprogramms können hier ebenso gelten wie ein zinsfreies Zahlungsziel von 30 oder 45 Tagen, ein Sofortbonus in Cash oder andere Benefits. Auch ein eventuell erweiterter Versicherungsschutz für die eingekaufte Ware oder die Möglichkeit, sich später doch noch für eine Zahlung in Raten zu entscheiden, sind hier zu berücksichtigen, damit ein gutes Geschäft gemacht werden kann.

Wie viel herauszuholen ist, richtet sich auch nach dem jeweils zur Disposition stehenden Gut, der Branche und er Verhandlungssituation. Dabei gelten die üblichen Regeln für geschicktes Verhandeln, mit denen unabhängig von der Art der Zahlung erfolgreich der Preis gedrückt werden kann. In einem leeren Geschäft etwa handelt es sich besser als in einem überfüllten Verkaufsraum, in dem der Verkäufer von wissbegierigen Kunden geradezu umworben wird. Deshalb sind Samstage weniger gut zum Kauf größerer Anschaffungen geeignet als Wochentage und Tage mit gutem Wetter sind schlechter als Regentage.

Geschicktes Verhalten spart bares Geld

Kunden sollten zudem darauf achten, beim Erstkontakt mit dem Verkäufer ihre Kaufentscheidung als offen hinzustellen. Liegt das Heimkino-System bereits im Einkaufswagen, lohnen sich Nachfragen über mögliche Preisnachlässe in der Regel nicht. Besser ist es, eine unentschlossene Haltung vorzutäuschen und einen Rabatt auf den Ladenpreis – und sei dessen Höhe zunächst unbestimmt – zur Voraussetzung für die Kaufentscheidung zu machen. Dann wird der Verkäufer, wenn es sich um ein hochpreisiges Gut handelt, gerne einsteigen.

Im Hinblick auf den möglichen Rabatt sollten sich Verbraucher nicht zwingend auf einen Preisnachlass und schon gar nicht auf einen bestimmten Prozentsatz des Ladenpreises festlegen. Auch andere Vereinbarungen sind möglich: So kann etwa ein Einkaufsgutschein über einige Prozent des Kaufpreises ausgestellt werden, mit dem dann zu einem späteren Zeitpunkt ein anderer Kauf ganz oder teilweise bezahlt wird. Wer ein solches Angebot vom Elektronikhändler erhält und dort regelmäßig einkauft, kann den Gutschein fast wie Bargeld betrachten!

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